Choir4all... ein berührender Abend!

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Samstag, 25.November 2017, Haus der Musik Gleisdorf.
Stellen Sie sich vor, Sie kommen in einen Konzertsaal und die Sessel stehen in U-Form!
Wie in der Schule, dachte ich! Was wird das denn?

Und dann beginnt der Chorleiter des Chorforum GleisdorfFranz Jochum, mit Ihnen Lieder zu proben! Langsam dämmert es mir: das wird kein "normales" Konzert!
Was dann aber wirklich passierte, hätte ich mir nicht in den kühnsten Träumen ausmalen können! 
Gemeinsam mit Asylwerbern aus dem Irak, Afghanistan und Syrien, diese unter der Obhut von Frau Dr. Taucher - Kloneg, haben wir Lieder gelernt, die im 2. Konzertteil nach einer kurzen Pause gemeinsam aufgeführt werden sollten!
Vom Jodler - mit Herzblut einstudiert durch die Kärntner Chorleiterin Agnes Schnabl- bis zum am Boden sitzenden afghanischen Trommlern, welche kurzfristig darum gebeten haben, mitmachen zu dürfen, ist eine musikalische, grenzübergreifende Stimmung entstanden, wie ich sie noch nie erlebt habe.
An unsere Ohren gewöhnte Instrumente wie das Akkordeon (Gerhard Burger)  und dem Kontrabass (Georg Keler) mischen sich mit ungewohnten Klängen arabischer Instrumente!
Ich selbst habe am berührendsten die dazwischen eingespielten Videos, aufgenommen von Rodrigo Algara Woodhouse, empfunden. Mit einfachsten Fragen wie: „was ist dein liebster Wochentag?“, gelingt es ihm, uns einzelne Menschen aus verschiedensten Ländern der Welt persönlich nahe zu bringen.
Alle Antworten waren mir so bekannt, als hätte mein Nachbar geantwortet... und viele dieser Menschen sind unsere Nachbarn, wohnen ganz in unserer Nähe, singen jetzt Volkslieder aus ihrer Heimat, sind aufgeregt, wie wir alle es wären, wenn wir auf der Bühne stehen würden, freuen sich über den Applaus, nur mit dem ‚kleinen‘ Unterschied, dass sie keine Heimat mehr haben.

Plötzlich ist da nichts "Fremdes" mehr, wenn wir Zuschauer von dem aus Mexiko stammenden Rodrigo Algares Woodhouse einen "Fruit Canon" über Mozartkugeln und Sachertorte einstudiert bekommen und am Ende auch die ausländischen Zuschauer, deren überraschend viele gekommen sind, mit Inbrunst das Wort "Fritatten-Suppe" hinausschreien!
Es kommt mir nicht "unangenehm" vor, wenn ich - etwas verzweifelt - ein Lied aus Syrien in arabischer Sprache mitsingen soll, und dabei in die kleinen strahlenden syrischen Kinderaugen blicke, die auf der Bühne mit viel Gefühl ein Liebeslied singen!
Als Krönung dieses ungewöhnlichen Konzertes singt das Chorforum Gleisdorf Verdis Gefangenen-Chor, das mich zu dem Gedanken inspirierte, ob wir nicht alle Gefangene unserer Vorurteile sind?
Ein besonderer Höhepunkt war noch das ‚Alleluja Amen‘, eine Komposition von Ivan Karpati, einem in Vorarlberg lebenden Ungarn, der den Chor selbst am Klavier begleitete!

Bevor wir zum Buffet schreiten durften, das aus einem Mix aus von syrischen Asylwerbern zubereiteten einheimischen, traditionellen Speisen und steirischen Schmankerln bestand, gab es zum Abschluss das ‚Tanzlieder-Quodlibet‘. Hier forderte Franz Jochum das ganze Repertoire menschlicher Verbundenheit heraus: Singen, koordiniertes gemeinsames "Poschn“ (Klatschen) und miteinander lachen!
Ein großes Lob dem Chorleiter Franz Jochum und dem Chorforum Gleisdorf für die Entwicklung und Durchführung eines so wunderbaren Projektes, das kein Beteiligter vergessen wird!

Dr. Beate Schuster, 26.11.2017